Neuigkeiten aus dem Archiv – 28.11.2017

Heute Abend um 22:05 zeigt der MDR den 2. Teil der Dokumentation „Mitteldeutschland unterm Hakenkreuz“, die komplett aus Farbfilmmaterial unserem Archiv erstellt wurde. Teil 1 lief bereits am Dienstag voriger Woche und hatte sensationell gute Einschaltquoten!

Der Film erzählt vom Alltag während des Zweiten Weltkriegs: von der Musterung im Freibad in Bitterfeld, von der Rationierung der Lebensmittel in Leipzig, vom Warten auf den Alarm in einer Flakstellung bei Halle, von der Evakuierung der Kinder aus den von Bombenangriffen bedrohten Großstädten ins thüringische Ranis. Es liegt ein unterschwelliges Grauen in den Bildern der Amateurfilmer – die Katastrophe selbst zeigen sie nicht. Zu den letzten Bildern gehören Aufnahmen des unzerstörten Dresden – und die vermutlich einzigen Farbaufnahmen der weltberühmten Silhouette mit der Frauenkirche, bevor die Stadt im Februar 1945 in Schutt und Asche sank.

Es waren keine professionellen Wochenschaukameramänner, die die Bilder vom Alltag in Mitteldeutschland während der NS-Zeit festhielten. Es waren Hobbyfilmer, die das normale Leben jenseits der offiziellen NS-Propaganda abbildeten: auf 8mm-Film und vor allem – die eigentliche Sensation – in Farbe! Das, wofür sie bereit waren, einen kostbaren Streifen Film zu opfern, wirkt zufällig, harmlos. Ein Mädchen hält ihre Puppe stolz in die Kamera, ein Bauer führt seine Pferde in die Saale zum sonntäglichen Bad. Eine Frau schält Obst und legt Gurken ein. Doch bei aller Privatheit ist die Politik allgegenwärtig: Beiläufig wird der rechte Arm zum Gruß gehoben, von jedem öffentlichen Gebäude, von jedem Ausflugsdampfer grüßt die Nazi-Fahne – und an beinahe jedem Wochenende gibt es irgendwo einen Aufmarsch mit Marsch Es sind Aufnahmen von Seltenheitswert: Schloss Colditz umfunktioniert als Gefangenenlager für polnische Kriegsgefangene; die Festung Königstein zweckentfremdet, um französische Offiziere und Generäle unterzubringen; ein Lager in Königsbrück bei Dresden, in dem sowjetische Soldaten vor sich hin vegetieren. Gefilmt hat diese Bilder der Wehrmachtsoffizier Walther Lenger aus Leipzig.

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