Zur Person

Karl Höffkes gehört zu den international gefragtesten Ansprechpartnern auf dem Gebiet des zeitgeschichtlichen Films. Das Archiv, das er 1986 begründete und seither kontinuierlich weiter ausbaut, umfasst derzeit ca. 2.400 Stunden digitalisierten Filmmaterials und setzt sich überwiegend aus Privatfilmen aus der Zeit vor 1945 zusammen. Neben den Digitalisaten befindet sich auch ein großer Teil der Originalfilmrollen im Besitz von Karl Höffkes, darunter so herausragende Archivalien wie die Privatfilme Hermann Görings und die weltweit einzigen bekannten Aufnahmen, die Angehörige einer deutschen „Einsatzgruppe“ bei ihrer mörderischen Tätigkeit zeigen. Mit seiner langjährigen Sammlungstätigkeit leiste Höffkes „einen wichtigen Beitrag, das Geschichtsbewusstsein zu stärken“, so Jörg Müllner, Geschäftsführer der History Media GmbH. Geschichtsbewusstsein im Sinne des Erforschens, Hinterfragens und Nachempfindens zieht sich als roter Faden durch Höffkes‘ Biographie – ebenso wie seine Faszination für die Zeit der Weltkriege.

Mit der Regisseurin und Fotografin Leni Riefenstahl.

Geboren 1954 in Oberhausen, besuchte Höffkes ein katholisches Ordensgymnasium im Münsterland und studierte an den Universitäten Düsseldorf und Duisburg Geschichte, Germanistik und Philosophie auf Lehramt. Sein Studium schloss er mit dem 1. und 2. Staatsexamen ab. Während seines Studiums knüpfte er Kontakte zur Erlebnisgeneration des Zweiten Weltkrieges und bewegte sich im Umfeld nationalkonservativer Zirkel und Organisationen wie des Bundes Heimattreuer Jugend (BHJ), ohne diesem anzugehören. Historische Studien publizierte er u.a. im Kieler Arndt-Verlag: Dort erschien eine Darstellung der deutschen Jugendbewegung (Träumer, Streiter, Bürgerschreck, 1982) und – als Koautor mit Dr. Uwe Sauermann – ein biographisches Portrait Albert Leo Schlageters (Freiheit, du ruheloser Freund, 1983). Im Tübinger Grabert-Verlag veröffentlichte er ein Nachschlagewerk über die Gauleiter des „Dritten Reiches“ (Hitlers politische Generale, 1986) und gab eine Zusammenfassung der geheimen deutsch-sowjetischen Protokolle vor und während des „Polenfeldzugs“ 1939 heraus (Deutsch-sowjetische Geheimverbindungen. Unveröffentlichte diplomatische Depeschen zwischen Berlin und Moskau im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs, 1988). Bereits zu dieser Zeit trat Höffkes in einen Prozess der geistigen Umorientierung ein, an dessen Ende er dem nationalistischen Milieu den Rücken kehrte und sich von den dort verbreiteten Positionen distanzierte. Heute definiert er sich als Patriot; rassistischen und fremdenfeindlichen Inhalten hat er stets eine deutliche Absage erteilt.

Als Kameramann für die Welthungerhilfe.

Die Beschäftigung mit den zerstörerischen Kräften des Krieges führte ihn zwischen Ende der 80er Jahre und 2013 unter anderem für die Welthungerhilfe und Unicef zu zahlreichen Drehreisen vor allem in den Nahen Osten und Nordafrika, darunter Libyen, Irak, Afghanistan, Usbekistan, Libanon, Syrien und den Iran. Seine Aufnahmen waren unter anderem auf SAT1, N24 und in den Dokumentationen „Die Kinder von Bagdad“ (MDR 2002) und „Bagdad vor dem Krieg“ (ARD 2003) zu sehen. Über seine Erfahrungen berichtete Höffkes als Gast etwa in der „Johannes B. Kerner Show“, bei „Stern-TV“ und bei der ZDF-Gala „Ein Abend für den Frieden“ im April 2003.

Auf Drehreise in Afghanistan, September 2004.

1996 gründete Höffkes gemeinsam mit Johannes A. Haneke die Polar Film+Medien GmbH als Vertriebsgesellschaft vor allem für zeitgeschichtliche Dokumentarfilme sowie Fernsehserien. Das Unternehmen, das zeitweise Marktführer im Bereich „History“ war und neben diversen Produktionen öffentlich-rechtlicher und privater Sender auch die Dokumentationen von Spiegel-TV vermarktete, wurde 2010 von Klaus Schröder (Schröder Media) erworben. Höffkes konzentriert sich seitdem auf den Ausbau seiner Agentur (AKH).

Karl Höffkes mit Beate und Serge Klarsfeld. Als Gast der Bundestagsfraktion „Die Linke“ überreichte er dem Ehepaar Klarsfeld bei dieser Gelegenheit historische Aufnahmen aus einem Ghetto.

Seit 2011 intensivierte er die bis dahin sporadische Zusammenarbeit mit israelischen Dokumentarfilmmachern und Institutionen: Als Hauptrechercheur arbeitete er am Himmler-Porträt „Der Anständige“ (Österreich / Israel 2014, Vanessa Lapa) mit, das auf der Berlinale 2014 uraufgeführt und in Jerusalem als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde. Bei einem Aufenthalt in Jerusalem im Jahr 2015 übergab er der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Filminterviews mit Überlebenden des Holocaust; in der Folge wurde der Grundstein für eine Kooperation gelegt, die den Austausch von Filmmaterial und filmbezogenen Recherchen zum Inhalt hatte. Eine ähnliche Vereinbarung wurde 2015 mit dem US Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. geschlossen.

In Israel, August 2013.

„Wer gegen das Vergessen ist, der muss bewahren“, erklärt Karl Höffkes seine fortgesetzte Sammlungstätigkeit. „Diese gesellschaftliche Aufgabe kann von den unterfinanzierten staatlichen Archiven allein nicht bewältigt werden. Darum sammle ich Filme und suche nach Möglichkeiten, sie für die Zukunft zu bewahren. Film ist vielleicht das einzige Medium, das alle Generationen erreicht und das universell verstanden wird. Daher hoffe ich, dass die von mir zusammengetragenen Filmmaterialien ihren Teil dazu beitragen, die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte zu befördern und dem Vergessen entgegenzuwirken.“

Weitere Informationen zu Höffkes‘ Biographie und seinen Dokumentarfilmen können der Pressemappe entnommen werden. Laden Sie die Pressemappe herunter: Download Pressemappe

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Die Zeitschrift Focus berichtete in ihrer Ausgabe 23/2009 über Karl Höffkes. Lesen Sie den Text hier:
Focus 23-2009

Diese Reportage über Karl Höffkes und sein Archiv war in der Sendung Galileo zu sehen, die von Pro7 am 28. April 2010 ausgestrahlt wurde.